Kambodscha & Vietnam Oktober 2026
Unsere Reise nach Kambodscha begann mit einem Flugmarathon über Paris und Bangkok, bevor wir schließlich in Siem Reap landeten. Von Air France waren ich wirklich positiv überrascht. Die App, die Anzeigen und die gesamte Organisation machten einen guten Eindruck. Auch an Bord gab es wenig auszusetzen: toller Service, Getränke und sogar einen kleinen Snack, selbst auf der Kurzstrecke. Weniger begeistert waren wir hingegen von manchen Mitreisenden. Aber das ist wohl ein Kapitel für sich und gehört bei längeren Reisen manchmal einfach dazu.
Auch Bangkok Airways konnte punkten. Obwohl unser Flug nur etwa eine Stunde dauerte, wurde eine warme Mahlzeit serviert. Da kann sich so manche europäische Airline durchaus etwas abschauen.
Unser Plan für Kambodscha war überschaubar: Wir wollten uns auf das berühmte Angkor Wat und die umliegenden Tempelanlagen konzentrieren. Ein erster Eindruck vom Land sollte natürlich trotzdem nicht fehlen.
Schon bei der Einreise wurde es allerdings etwas kurios. Das E-Arrival-Formular, das wir vorab ausgefüllt hatten, wollte zunächst niemand sehen. Stattdessen wurden wir zu den Schaltern für das Visum geschickt. Dort funktionierte angeblich keine unserer drei Kreditkarten. Jedenfalls waren wir froh, US-Dollar dabeizuhaben. Eigentlich wollten wir unser Bargeld nicht gleich bei der Einreise loswerden, aber manchmal muss man eben improvisieren. Die erste Empfehlung lautet also: Unbedingt US-Dollar in bar mit auf die Reise nehmen!
Die Fahrt in unser Hotel dauerte rund eine Stunde, die wir für erste Eindrücke und Informationen über das Land nutzten. Unser Guide begrüßte uns mit einem Krama Halstuch als Geschenk und erzählte uns einiges über den König, die frühere Hauptstadt Siem Reap und die jetzige Hauptstadt Phnom Penh.
Auch Cashewnüsse und Reis waren Thema, die Reisernte stand immerhin kurz bevor (er wandelt sich von Grün in Gold).
Am Weg dorthin holten wir die Tickets für Angkor Wat ab, ein personalisiertes Ticket inkl. Foto.
Zeitlich hatten wir unsere Reise jedenfalls gut erwischt: Wir waren am Ende der Regenzeit unterwegs. Die Landschaft war schön grün, während die ganz großen Regenfälle langsam nachlassen. Nach der durchaus längeren Anreise ließen wir den ersten Tag gemütlich ausklingen.
Heute stand genau das auf dem Programm, wofür wir überhaupt nach Kambodscha gekommen waren: ein ganzer Tag in der Tempelwelt von Angkor.
Bevor es losging, gab es noch eine interessante Information zu unseren Eintrittskarten: Von jedem Ticket gehen zwei US-Dollar an ein Kinderkrankenhaus.
Angkor Wat ist wohl das bekannteste Wahrzeichen Kambodschas und zählt zu den bedeutendsten Tempelanlagen der Welt. Ursprünglich wurde die Anlage im frühen 12. Jahrhundert als hinduistischer Tempel zu Ehren Vishnus errichtet. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich zu einem buddhistischen Heiligtum, als das sie bis heute genutzt wird.
Die Türme, die langen Galerien und die unzähligen steinernen Verzierungen vermitteln einen Eindruck davon, wie viel Arbeit hinter diesem Bauwerk stecken mussten. Angkor Wat gilt als das größte religiöse Bauwerk der Welt.
Auch die kambodschanische Flagge erklärte uns unser Guide. Sie zeigt Angkor Wat als nationales Symbol. Die Farben stehen: Blau für das Königtum, Rot für die Nation und Weiß für die Religion.
Ein weiteres Detail, das uns unser Guide erklärte, war der traditionelle Gruß mit einer Lotusblüte (je nach Rang wird die Hand unterschiedlich hoch geführt). Die Lotusblume hat im Buddhismus eine besondere Bedeutung und steht unter anderem für Reinheit und spirituelle Entwicklung.
Wenn man einen Tempel besucht, bei dem Natur und Geschichte auf spektakuläre Weise ineinandergreifen, dann ist es Ta Prohm. Hier wachsen gewaltige Baumwurzeln über Mauern, durch Türöffnungen und entlang jahrhundertealter Steinblöcke.
Anders als viele andere Tempel von Angkor wurde er bewusst weitgehend in dem Zustand erhalten, in dem man ihn bei der Erschließung wieder vorfand. Berühmt wurde Ta Prohm auch durch den Film Tomb Raider.
Ein besonderes Detail, auf das uns unser Guide aufmerksam machte, war eine Schnitzerei, die an einen Dinosaurier erinnert. Tatsächlich gibt es dort ein Relief, das häufig als Stegosaurus interpretiert wird.
Mit Phimeanakas wartete ein ganz anderer Tempel auf uns. Die pyramidenartige Anlage liegt im ehemaligen Königspalast von Angkor Thom und stammt im Wesentlichen aus dem 10. Jahrhundert. Sie ist deutlich schlichter als Angkor Wat. Besonders spannend ist die Legende, die sich um diesen Tempel rankt. Einer Erzählung nach lebte im goldenen Turm des Tempels ein Schlangengeist mit neun Köpfen. Dieser erschien dem König nachts in Gestalt einer Frau. Der König musste der Legende zufolge jede Nacht zu ihr kommen, bevor er zu seiner Königin zurückkehren durfte. Würde der Schlangengeist einmal nicht erscheinen, drohe dem König Unheil. Schlangen sieht man auch in diversen Statuenformen - Naga genannt.
Der Bayon-Tempel bildete den letzten Punkt heute. Überall ragen steinerne Türme empor, an denen riesige Gesichter in verschiedene Richtungen blicken.
Der Tempel entstand gegen Ende des 12. Jahrhunderts und liegt im Zentrum der einstigen Königsstadt Angkor Thom. Rund 200 steinerne Gesichter sind heute noch erhalten.
Vom gewaltigen religiösen Zentrum über die vom Dschungel umschlungenen Ruinen bis hin zu den rätselhaften Steingesichtern haben wir heute einen kleinen, aber eindrucksvollen Einblick in die Welt des Khmer-Reiches bekommen.
Unser letzter Tag in Kambodscha begann mit einem kleinen Déjà-vu. Es schüttete wie aus Kübeln und sofort haben wir uns an unseren Bali-Urlaub erinnert. Die Mopedfahrer bleiben bei starkem Regen einfach stehen, ziehen ihren Regenschutz über und fahren weiter. Da unser Flug erst am Nachmittag ging, konnten wir den letzten Tag in Siem Reap ganz entspannt angehen. Statt noch ein weiteres Besichtigungsprogramm hineinzupacken, gönnten wir uns eine Massage (1 Stunde - 25$).
Der Flug von Siem Reap nach Hanoi verlief nicht ganz nach Plan. Rund eineinhalb Stunden Verspätung mussten wir in Kauf nehmen.
Nach unseren etwas kuriosen Erfahrungen bei der Einreise nach Kambodscha war die Einreise in den Vietnam recht entspannt.
Schon auf der Fahrt vom Flughafen in Richtung Stadt bekamen wir einen ersten Eindruck davon, was uns in Hanoi erwarten würde: Verkehr, Verkehr und noch mehr Verkehr. Wer glaubt, europäische Großstädte hätten ein Verkehrsproblem, sollte sich einmal in den Straßen von Hanoi umsehen.
Hanoi bedeutet „Land zwischen den Flüssen“.
Was einem als erstes auffällt sind die riesigen Menge an Mopeds. Sie schlängeln sich durch jede noch so kleine Lücke, während Autos, Busse und Lieferfahrzeuge versuchen, irgendwie voranzukommen. Das Ganze wirkt auf den ersten Blick völlig chaotisch, scheint aber nach eigenen Regeln zu funktionieren.
Unser Guide erzählte uns auch von den Maßnahmen, mit denen Hanoi versucht, das massive Verkehrsaufkommen in den Griff zu bekommen. Größere Lastwagen dürfen in bestimmten innerstädtischen Bereichen nur nachts zwischen 21 und 6 Uhr fahren.
Dazu kommen Neubau von Straßen. Wir erfuhren, dass beispielsweise auf einer großen Hauptstraße eine Art Brücke darüber gebaut werden sollte und man dann die Großen und kleinen Fahrzeuge trennt. Bevor wir dann spät in der Nacht ins Bett fielen machten wir noch einen kurzen Abstecher in die Hotel Sky Bar.
Nun stand Hanoi auf dem Programm. Auch hier lernten wir gleich zu Beginn die Bedeutung hinter der Flagge: Der gelbe Stern steht offiziell für die Einheit der verschiedenen Gruppen des Landes bzw. die Hautfarbe. Die rote Fläche symbolisiert die Revolution und das Blut, das im Kampf für die Unabhängigkeit vergossen wurde.
Unser erster Besichtigungspunkt war die Tran Quoc-Pagode (Chùa Trấn Quốc), eine der ältesten buddhistischen Pagoden Vietnams. Sie liegt auf einer kleinen Halbinsel. Hier bekamen wir einen Einblick in buddhistische Bräuche und Vorstellungen vom Leben nach dem Tod. Besonders auffällig war das Verbrennen von Papiergeld. Diese werden als symbolische Opfergaben verbrannt, damit Verstorbene sie in der anderen Welt nutzen können. Es geht also nicht einfach darum, Geld zu vernichten, sondern darum, den Angehörigen auch nach dem Tod etwas mitzugeben.
Eine andere Tradition fanden wir durchaus bizarr: In Behältern werden Fische oder andere kleine Tiere zum Verkauf angeboten, die Besucher anschließend freilassen können. Dahinter steht der Gedanke, durch das Befreien von Lebewesen gutes Karma zu sammeln. Das Freilassen von Tieren gilt im Buddhismus als verdienstvolle Handlung, weil damit Leben gerettet wird.
Allerdings ist diese Praxis nicht ganz unproblematisch. Wenn Tiere eigens für diesen Zweck gefangen und verkauft werden, entsteht ein Kreislauf, der den Tieren wohl eher schadet. Zumindest meiner Meinung nach.
Vom Buddhismus ging es weiter in eine ganz andere Welt: zum Literaturtempel, dem Văn Miếu – Quốc Tử Giám. Die Anlage wurde Konfuzius gewidmet, wenige Jahre später entstand hier eine kaiserliche Akademie. Hier wurden Gelehrte ausgebildet, die später wichtige Positionen im Staatsdienst übernehmen konnten.
Allerdings war dieses Bildungssystem keineswegs für alle gleichermaßen zugänglich. Frauen waren von der offiziellen konfuzianischen Gelehrtenlaufbahn weitgehend ausgeschlossen. Die konfuzianische Ordnung stellte Männer und Frauen in eine klare Hierarchie und verlangte von Frauen vor allem Gehorsam gegenüber Vater, Ehemann und später dem Sohn. Aus heutiger Sicht ist das natürlich alles andere als zeitgemäß.
Immer wieder begegneten uns Darstellungen von Schildkröten und Vögeln. Sie verbinden unterschiedliche symbolische Vorstellungen, etwa Weisheit, Langlebigkeit und die Harmonie gegensätzlicher Kräfte, wie man sie auch aus dem Yin-und-Yang-Gedanken kennt. Eine weitere Erklärung unseres Guides blieb uns besonders in Erinnerung: Die Eintrittsstellen (Holzbalken) bei Tempelanlagen seien teilweise so hoch, dass man beim Eintreten automatisch den Kopf senken müsse, weil man nach unten sieht und so indirekt eine Verbeugung macht.
Als Nächstes besuchten wir das Ho-Chi-Minh-Mausoleum am Ba-Đình-Platz. Hier wurde 1945 die Unabhängigkeitserklärung der Demokratischen Republik Vietnam verkündet. Ho Chi Minh ist bis heute eine der zentralen Figuren der vietnamesischen Geschichte und wird von vielen Menschen als Vater der Unabhängigkeit verehrt. Das Mausoleum selbst konnten wir leider nicht von innen besichtigen. Auch von außen ist der Platz beeindruckend. Während unseres Besuchs bekamen wir auch eine Zeremonie mit, bei der Papierfiguren verbrannt und Vögel freigelassen wurden.
Die Train Street stand ebenfalls auf unserem Programm. Die schmale Gasse, in der Züge zwischen Häusern und Cafés hindurchfahren, ist eines der bekanntesten Fotomotive Hanois.
Was früher vor allem ein gewöhnlicher Wohnbereich entlang der Eisenbahnlinie war, wurde durch soziale Medien zu einer Attraktion. Heute reihen sich Cafés an die Gleise. Mein Eindruck war allerdings eher ernüchternd: ziemlich touristisch, überteuert und wenig geheimnisvoll.
Deutlich nachdenklicher wurde es beim Besuch des Hoa-Lo-Gefängnisses. Die Anlage wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der französischen Kolonialmacht errichtet, um vietnamesische Gefangene, darunter zahlreiche Unabhängigkeitskämpfer, einzusperren. Das Gefängnis wurde dadurch zu einem wichtigen Ort des Widerstands gegen die französische Kolonialherrschaft. Es kam auch zu spektakulären Fluchtversuchen, bei denen Gefangene unter anderem Abwasserkanäle nutzten. Während des Vietnamkriegs wurden später auch amerikanische Kriegsgefangene hier festgehalten. Wir sahen außerdem eine Stelle in der Stadt, wo eine Gruppe an Ausbrecher das Ende des Fluchtweges ausgegraben hatte.
Dabei lernten wir auch: was von außen wie ein Seidenstoff Geschäft aussieht, kann innen ein Café mit toller Aussicht verbergen.
Nach so viel Geschichte ging es zurück ins geschäftige Leben der Stadt: zum Dong-Xuan-Markt. Er zählt zu den bekanntesten traditionellen Märkten Hanois und ist ein wichtiger Handelsplatz für Kleidung, Textilien, Haushaltswaren, Souvenirs und zahlreiche andere Produkte. Der Markt ist nicht unbedingt ein Ort, an dem man in Ruhe bummelt, aber definitiv einer, an dem man das geschäftige Alltagsleben der Stadt beobachten kann.
Zum Abschluss unserer Besichtigung ging es zum Hoan-Kiem-See, einem der bekanntesten Wahrzeichen Hanois. Mitten im Wasser steht der kleine Schildkrötenturm, der Tháp Rùa. Der Name Hoan Kiem bedeutet „See des Schwertes“. Dahinter steckt eine berühmte Legende: König Lê Lợi soll ein magisches Schwert erhalten haben, mit dessen Hilfe er die chinesischen Besatzer besiegte. Als er später auf dem See unterwegs war, erschien eine riesige Schildkröte, nahm das Schwert an sich und verschwand damit im Wasser. Der König verstand dies als Zeichen, dass das Schwert zurückgegeben werden sollte.
Aus dieser Erzählung entstand der Name des Sees. Auch die Tempelanlage am See ist einen kurzen Abstecher wert.
Nach diesem langen Besichtigungstag legten wir den Rückweg mit der Rikscha zurück. Mopeds tauchen von allen Seiten auf, Autos schieben sich durch die engen Straßen, und irgendwie scheint jeder seinen eigenen Weg zu finden. Übrigens nutzen viele Einheimische den Arm, den sie hochstrecken, um sich beim Überqueren einer Straße besser sichtbar zu machen. Manchmal fragt man sich wirklich, wie das alles funktioniert, ohne dass ständig etwas passiert.
Heute ging es weiter zu einem der wohl berühmtesten Reiseziele Vietnams: der Halong-Bucht. Sie liegt im Norden Vietnams am Golf von Tonkin. Ihr Name bedeutet sinngemäß „Bucht des herabsteigenden Drachen“. Einer Legende nach stiegen Drachen vom Himmel herab, um das Land vor Eindringlingen zu schützen. Sie spuckten Juwelen und Jade aus, aus denen die zahlreichen Inseln entstanden. Die Felsen bildeten eine natürliche Barriere gegen feindliche Schiffe. Die Halong-Bucht gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe.
Bevor es aufs Wasser ging, besuchten wir das Hạ Long Pearl Museum (Bảo tàng ngọc trai vịnh Hạ Long). Hier drehte sich alles um die Entstehung, Zucht und Verarbeitung von Perlen. Für meinen Geschmack erneut ein ziemlich touristisch angehauchter Ort. Interessant war, dass eine Zuchtperle nicht einfach zufällig entsteht. Bei der kontrollierten Zucht wird ein kleiner Kern in die Muschel eingesetzt. Die Muschel überzieht diesen anschließend über einen längeren Zeitraum mit Perlmutt. Schicht für Schicht entsteht so der typische Glanz, der eine hochwertige Perle ausmacht. Bei einem solchen Besuch versteht man dann, wieso Perlen nicht nur als Schmuckstücke, sondern auch als Ergebnis langer Handarbeit gelten.
Nach dem Besuch des Perlenmuseums ging es weiter zum Hafen. Vor uns lag nun der Teil der Reise, auf den wir uns besonders freuten: eine zweitägige Kreuzfahrt mit einer Übernachtung an Bord der Mon Chéri. Das Schiff fährt durch die Halong-Bucht und die benachbarte Lan-Ha-Bucht. Diese liegt südlich der Halong-Bucht bei der Insel Cát Bà und ist ebenfalls von spektakulären Kalksteinformationen geprägt.
Nach einer Fahrt durch die Bucht, hielten wir an einer schönen Stelle und konnten dort schwimmen und Kajak fahren. Abends gab es eine Kochvorführung mit vietnamesischen Frühlingsrollen und ein herrliches Abendessen.
Die Halong-Bucht ist nicht ohne Grund eines der bekanntesten Reiseziele des Landes.
Der zweite Tag unserer Kreuzfahrt begann früh.
Nach dem Frühstück ging es weiter in Richtung Cát Bà. Die Insel ist die größte Insel des gleichnamigen Archipels und bekannt für ihre bewaldeten Berge, ihre Küstenlandschaft und ihren Nationalpark. Die Insel ist eigentlich ein wunderschönes Naturgebiet, doch leider fiel uns auch etwas anderes auf: Es lag ziemlich viel Müll herum. Unser wichtigster Programmpunkt an Land war die Trung-Trang-Höhle, auf Vietnamesisch Động Trung Trang. Im Inneren erwarteten uns zahlreiche Tropfsteinformationen.
Gegen 11:20 Uhr waren wir wieder von Bord. Damit endete unsere Kreuzfahrt nach zwei Tagen und einer Nacht auf dem Wasser.
Nach der Ausschiffung ging es direkt weiter zum Flughafen. Unser nächstes Ziel lag deutlich weiter südlich im Zentralvietnam: Huế, die ehemalige Kaiserstadt Vietnams.
Huế war im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Hauptstadt der Nguyễn-Dynastie. Die Stadt ist bekannt für ihre Zitadelle, die kaiserlichen Paläste, die Königsgräber und ihre besondere Küche. Viele dieser historischen Stätten gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.
„The rule is not to follow the rule.“, erklärte ihr unser Guide hier. Unser Tag in Huế begann mit einem klassischen Regenzeit Wetter, es schüttete wie aus Kübeln. Kurzerhand wurde das Sightseeing in Flip-Flops absolviert.
Ein kleiner Spoiler vorweg: Am Ende des Tages sollten trotzdem mehr als 11.000 Schritte auf dem Zähler stehen. So viel zum Regentag!
Unser erster großer Programmpunkt war die Kaiserliche Zitadelle, die Cố đô Huế. Trotz des Regens war es faszinierend, durch die weitläufige Anlage zu gehen und sich vorzustellen, wie hier einst das Leben am kaiserlichen Hof ausgesehen haben muss. Besonders auffällig waren die unterschiedlichen Farben der Gebäude. Rot und Gold spielen in der kaiserlichen Architektur eine wichtige Rolle. Auch die verschiedenen Stempel und Siegel, die wir zu sehen bekamen, waren interessant. Sie gehörten zu unterschiedlichen Kaisern und dienten dazu, offizielle Dokumente und Erlasse zu bestätigen. Innerhalb der Zitadelle liegt die sogenannte Verbotene Purpurstadt, die einst den innersten Bereich des kaiserlichen Hofes bildete. Hier befanden sich die privaten Wohn- und Arbeitsbereiche des Kaisers.
Vieles wurde während der Kriege des 20. Jahrhunderts schwer beschädigt. An manchen Mauern sind sogar noch Einschusslöcher zu erkennen.
Zwischen den historischen Gebäuden gab es auch Erklärungen zu kulturellen Besonderheiten. Ein Thema war auch der Tierkreis. Allerdings gibt es zwischen China und Vietnam einen interessanten Unterschied: Während im chinesischen Tierkreis der Hase das vierte Tier ist, übernimmt in Vietnam die Katze diesen Platz.
Ein weiterer spannender Punkt war die vietnamesische Schrift. Heute wird Vietnamesisch mit dem lateinischen Alphabet und zusätzlichen diakritischen Zeichen geschrieben. Vor ihrer Einführung wurden in Vietnam über Jahrhunderte chinesische Schriftzeichen verwendet.
Nach der Besichtigung der Zitadelle ging es aufs Wasser. Die Bootsfahrt auf dem Parfümfluss dauerte ungefähr 25 Minuten und bot eine willkommene Abwechslung zum Rundgang durch die Palastanlage. Der Name wird häufig damit erklärt, dass aromatische Pflanzen und Blüten aus der Umgebung früher ihren Duft auf das Wasser übertragen haben sollen. Heute war von einem schimmernden Fluss allerdings wenig zu sehen. Das Wasser war auffällig braun. Uns wurde erklärt, dass die starken Regenfälle dafür verantwortlich seien.
Eine weitere Beobachtung blieb uns im Gedächtnis: Manche Familien leben tatsächlich auf Booten, die teilweise auch für touristische Fahrten genutzt werden.
Nach der Bootsfahrt besuchten wir die Thiên Mụ-Pagode, eine der bekanntesten religiösen Anlagen Huếs. Sie wurde 1601 gegründet und liegt auf einem Hügel am Ufer des Parfümflusses.
Anschließend fuhren wir zum Königsgrab von Tự Đức. Sein Grabmal wurde bereits zu seinen Lebzeiten angelegt. Die Anlage besteht aus Pavillons, Tempelhallen, Wasserflächen und bewachsenen Wegen.
Zum Abschluss des Tages machten wir noch einen Halt bei einer Werkstatt, in der Räucherstäbchen hergestellt werden. In Huế hat dieses Handwerk eine lange Tradition, denn Räucherstäbchen werden bei religiösen Zeremonien, in Tempeln und bei der Ahnenverehrung verwendet. Zum Abschluss gab es dann noch eine Abkühlung im Pool.
Der nächste Tag begann bereits um 7 Uhr mit einer Taiji-Einheit. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Hội An. Die Fahrt dauerte ungefähr 2h 40. Zentralvietnam befindet sich Ende Oktober eigentlich mitten in der Taifun- und Regenzeit. Unterwegs wurden wir Zeugen eines kleinen Verkehrsunfalls: Ein Regenponcho hatte sich während der Fahrt in einem Motorrad verhängt. Dadurch kamen gleich zwei Personen zu Sturz. Glücklicherweise schien nichts Schwerwiegendes passiert zu sein. Was uns allerdings auffiel, war, wie zögerlich die Hilfe für die beiden eintraf.
In Hội An angekommen, tauchten wir in eine ganz andere Atmosphäre ein. Die historische Altstadt gehört zu den bekanntesten Orten Vietnams und ist vor allem für ihre gut erhaltenen alten Handelshäuser, die kleinen Gassen und die bunten Laternen berühmt.
Wir bummelten durch die kleinen Geschäfte und genossen das besondere Flair der Stadt.
Ein besonderes Erlebnis war der Laternen-Workshop. Statt nur eine der vielen fertigen Laternen zu kaufen, konnte ich selbst Hand anlegen und meine eigene gestalten.
Nach dem gestrigen ersten Eindruck von Hội An stand heute die ausführlichere Erkundung der Altstadt auf dem Programm.
Hội An war vom 15. bis ins 19. Jahrhundert ein bedeutender Handelshafen. Händler aus China, Japan und vielen anderen Ländern kamen hierher.
An manchen Eingängen entdeckten man zwei auffällige Augen. Solche Zeichen an Türen und Toren haben eine traditionelle Schutzfunktion: Sie sollen das Haus bewachen und Unglück oder böse Einflüsse fernhalten.
Ein weiteres Detail, das uns erklärt wurde, war die traditionelle Musik Vietnams. Sie arbeitet häufig mit einer fünftönigen Tonleiter, der sogenannten Pentatonik. Unser Guide beschrieb es so, dass die Melodien oft in Moll gehalten seien und man die fünf Töne auf einem Klavier mit den schwarzen Tasten vergleichen könne.
Wir besuchten auch die berühmte Japanische Brücke, die über 400 Jahre alt ist. Sie wurde ursprünglich von der japanischen Handelsgemeinschaft errichtet und verband einst das japanische mit dem chinesischen Viertel. Anschließend ging es in eine der chinesischen Versammlungshallen.
Ein Thema, das in dieser Region immer wieder präsent ist, ist das Hochwasser. Uns wurde vom extremen Hochwasser des Vorjahres erzählt. Tatsächlich waren Ende Oktober 2025 große Teile der Altstadt überschwemmt. In manchen Straßen stand das Wasser fast 1,8 Meter hoch.
Zum Abschluss unserer Tour folgte noch eine Bootsfahrt auf dem Thu Bồn.
Neben all den kulturellen Eindrücken gab es auch heute noch ein bisschen Shopping: Für umgerechnet rund 25 Euro ließ ich mir ein Kleid maßschneidern. Hội An ist schließlich bekannt für seine vielen Schneidereien, in denen Kleidung innerhalb kurzer Zeit nach Maß angefertigt wird. Da kann man schon einmal schwach werden. Und weil Entspannung auf einer Reise ebenfalls nicht zu kurz kommen darf, gönnten wir uns außerdem eine einstündige Massage für gerade einmal 16 Euro.
Eine kleine sprachliche Lektion gab es obendrein: Der Landesname wird auf Vietnamesisch eigentlich Việt Nam geschrieben, also zwei Wörter. Und Österreich heißt auf Vietnamesisch Áo.
Gestern stand wieder einmal ein Travel Day auf dem Programm. Nach dem Abschied von Hội An ging es zunächst zum Flughafen Da Nang. Von dort flogen wir nach Ho-Chi-Minh-Stadt. Anschließend folgte noch eine längere Autofahrt nach Mui Ne, unserem nächsten Zwischenstopp an der vietnamesischen Küste. Heute wurde es dafür wieder abwechslungsreicher. Unser Ausflug führte uns zum Berg Tà Cú und zum Leuchtturm am Kap Kê Gà. Den Anfang machte der Berg Tà Cú. Mit der Seilbahn ging es bequem hinauf. Oben angekommen, wartete eine wirklich beeindruckende Sehenswürdigkeit auf uns: eine riesige liegende Buddha-Statue. Sie ist rund 49 Meter lang und gehört zu den bekanntesten religiösen Monumenten der Region. Die friedliche Darstellung des Buddha in liegender Position steht symbolisch für seinen Eintritt ins Nirwana. Das Areal ist generell sehr groß, man sieht Pagoden und diverse Statuen.
Unterwegs bekamen wir erstmals Drachenfruchtplantagen zu sehen. Die Drachenfrucht wächst an einer kletternden Kaktusart, die an hohen Pfosten gezogen wird.
Eine weitere Erfrischung gab es anschließend mit frisch gepresstem Zuckerrohrsaft, hier als Sugar Cane Juice bekannt.
Unser nächstes Ziel war das Kap Kê Gà mit dem ältesten Leuchtturm Vietnams. Der Leuchtturm wurde Ende des 19. Jahrhunderts von den Franzosen errichtet. Er steht auf einer kleinen vorgelagerten Felseninsel und ist schon von Weitem ein markanter Orientierungspunkt an der Küste.
Tag 13 unserer Reise und es hieß früh aufstehen. Noch vor 5 Uhr morgens starteten wir zu unserem Tagesausflug Richtung Đà Lạt. Die Stadt liegt im zentralen Hochland Vietnams.
Unser erster Halt war am Đèo Đại Ninh, einem Gebirgspass, an dem wir einen Fotostopp einlegten. Die Landschaft wurde zunehmend grüner und hügeliger, und die Fahrt durch das Hochland bot bereits einige schöne Ausblicke.
Danach ging es zum Pongour-Wasserfall. Er zählt zu den eindrucksvollsten Wasserfällen der Region. Das Wasser stürzt über mehrere breite, terrassenartige Felsstufen in die Tiefe.
Unterwegs legten wir einen Zwischenstopp bei einer Kaffeeplantage ein. Vietnam gehört zu den größten Kaffeeproduzenten der Welt, und vor allem der Anbau von Robusta-Kaffee spielt eine wichtige Rolle. Die Kaffeekirschen sind zunächst grün und verfärben sich mit zunehmender Reife, je nach Sorte, orange bis rot.
Auch Pfeffer wird in dieser Gegend angebaut.
Unser nächstes Ziel war die 71m Hohe Linh-An-Pagode mit dem nahegelegenen Elephant Waterfall. Die Pagode ist vor allem für ihre imposanten Buddha-Statuen bekannt. Besonders beeindruckend ist die riesige Statue des lachenden Buddha, die weithin sichtbar über der Anlage thront. Wir gingen sogar in die Statue hinein und konnten sie von innen erkunden.
Danach stand noch ein Besuch einer Seidenmanufaktur auf dem Programm. Dort bekamen wir einen Einblick in die Seidenherstellung vom Seidenkokon bis zum fertigen Faden.
Anschließend erreichten wir das Zentrum von Đà Lạt. Die Stadt hat durch ihre französische Kolonialgeschichte ein ganz eigenes Erscheinungsbild. Kolonialarchitektur, breite Straßen und das kühlere Hochlandklima unterscheiden sie deutlich von den Küstenorten, die wir bisher besucht hatten.
Den Abschluss bildete die Linh-Phuoc-Pagode, die auch als Broken Glass Pagoda bekannt ist. Die gesamte Anlage ist mit unzähligen kleinen Stücken aus Glas, Keramik und Porzellan verziert. Aus den bunten Bruchstücken entstehen aufwendige Mosaike, die Wände, Säulen und Figuren schmücken.
Zwischen unseren vielen Besichtigungen und Ortswechseln haben wir uns zwischendurch auch einmal einen Tag am Strand gegönnt. Dann hieß es endgültig Abschied nehmen von Mui Ne. Wir fuhren zurück nach Ho-Chi-Minh, wo wir unseren letzten Tag im Vietnam verbrachten, bevor morgen die Heimreise ansteht.
Unser Stadtrundgang führte uns zunächst zum Opernhaus. Weiter ging es zum Wiedervereinigungspalast, einem der geschichtsträchtigsten Orte der Stadt. Hier wurde am 30. April 1975 Geschichte geschrieben, als nordvietnamesische Panzer durch das Tor des damaligen Präsidentenpalastes fuhren. Dieses Ereignis markierte das Ende des Vietnamkriegs und die Wiedervereinigung des Landes. Danach schlenderten wir durch die Nguyen Van Binh Book Street. Eine kleine, hübsche Straße mit Buchhandlungen, Bücherständen und Cafés. Anschließend besuchten wir noch einmal das historische Zentralpostamt. Weiter ging es zum Saigon Shopping. Unser letzter Stopp war die Bach Dang Wharf, die Uferpromenade am Saigon River. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf den Fluss und die Skyline. Allerdings gab es auf dem Weg dorthin noch eine kleine Herausforderung: das Überqueren der Straße!
Damit ging unser letzter Besichtigungstag im Vietnam zu Ende und morgen geht es wieder nach Hause.

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